Mit Zwischen Dingen, die Angst machen (Timezone/Timezone Distribution, ab morgen) setzen sich Volver keineswegs neben sämtliche Stühle. Bereits dieser sprachlich arg bemühte Auftakt deutet an, dass sich die Erfurter nicht so schnell und im Vorbeigehen durchwinken lassen. Denn was sich zunächst als eine leidlich ernüchterte Angelegenheit unter dem Deckmäntelchen vornehmer Zurückhaltung geriert, entwickelt sich von Song zu Song zu einer ausdrucksstarken Mischung aus tragfähigen Songs und glaubwürdiger Intonation, die deutlich länger nachwirkt, als zunächst anzunehmen war.

Schon bei Still, spätestens bei Glut & Rausch, dem dritten Streich des Reigens, fällt der Groschen: Aufbau, Struktur und Duktus erinnern verdammt, pardon, in geradezu frappanter Weise an Zeraphine, jener Band um Sven Friedrich, die in Sachen „deutschsprachiger Darkwavepop mit melodramatischer Note“ seit Jahren eine unbestrittene Führungsposition bekleidet. Vermutlich keine gänzlich unwillkommene Feststellung, auch wenn sich Volver, zumindest dem äußeren Anschein nach, nicht unbedingt von jener Szene vereinnahmen lassen, in der ihre Auffassung von gefühlsecht beseelter Schmerzbewältigung womöglich am besten aufgehoben wäre.

Die indes kaum entscheidende Frage nach der stilistischen Verortung vorerst auf sich beruhen lassend, spricht für das Album vor allem der selbstbewusste Entschluss, es im Live-Verfahren eingespielt und anschließend dabei weitgehend auch belassen zu haben. Die derart zwangsläufig erzielte Direktheit lässt die erfreulich dünn gesät zu dünn geratenen Soundmomente nicht weiter zu Buche schlagen. Der letzte Regenzeigt in diesem Sinne exemplarisch auf, wie sich mit fröhlich brummenden Synthdruck vermeintliche Lücken beglückend füllen lassen.

in weiterer Pluspunkt ergeht nachdrücklich an die unprätentiös sachlich gehaltenen Texte. Was oberflächlich vernommen wie austauschbare Phrasendrescherei anmutet, erweist sich recht schnell als gleichermaßen unverbraucht und lakonisch überlegt, ja mehrdeutig ausformuliert. Hierzu passt der desillusionierte Unterton in Bert Billebs Stimme, die keine Anstalten macht, sich mit aufgesetzten Simulationen konfektionierter Gefühlsduselei zu exaltieren.

Zu allem Überfluss ist Zwischen Dingen, die Angst machen unaufdringlich einprägsam ausgefallen. Kaum ist der Hörer geneigt, einen gewissen Mangel an leicht zu memorierenden Ausbrechern zu monieren, schon diktiert die Einsicht das Urteil: Tatsächlich verfügt jeder Song über ein statthaft zureichendes Maß an Qualität, wobei die gewisse, durchaus auch als wohltuend zu empfindende Gleichförmigkeit tüchtig in den souveränen Gesamteindruck einzahlt, den dieses Debütalbum mit Sinn, Verstand und Gefühl hinterlässt. Bitte schnell auf Tour kommen!


amusio