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Das beste Albumcover ist immer noch das, welches der Betrachter/Hörer für sich selbst interpretieren muss. So auch der Rorschachtest, der die Platte „Zwischen Dingen, die Angst machen“ von Volver ziert.
Das Quintett aus Erfurt bewegt sich dem Titel gemäß zwischen Sehnsucht und Verzweiflung. Alles verpackt in bodenständigem deutschem Indie-Rock.

Auf „Zwischen Dingen, die Angst machen“ geht es in den zwölf Songs, entsprechend der genutzten Metaphern rund ums Meer, mal ruhig und mal stürmisch zu. Hauptsächlich aber produzieren Volver einen sehr greifbaren Sound. Durchgängige Strukturen ohne viele Ausschweifungen ziehen sich durch jeden Titel. Dabei wird abwechselnd in die Saiten und in die Tasten gehauen.

Ein gutes Beispiel hierfür ist der Song „Glut & Rausch“, der pulsierend seinen Anfang findet und im Refrain stark aufgefangen wird. Sofort fallen die Texte auf, die sich an einer Menge bildlicher Vergleiche und Wortspiele bedient. Die Aussagen sind im wahrsten Sinne des Wortes durchgehend bedeutungsschwanger. Das kann manchmal auch ein wenig zu viel für den Hörer sein, da man sich schwer tut, alles gedanklich zu ordnen. Aber ebenso kann es geneigte Gehörgänge geben, die genau so etwas bevorzugen.

„Neues Leben (Hinter dem Meer)“ ist unter anderem ein Song, in dem Volver ihre gängige Musik zunehmend auffrischen. Hier kommen elektronische Hilfsmittel wie Synthesizer zum Einsatz. Sehr erfreulich, dass die Band auf dieses Konzept im Verlauf von „Zwischen Dingen, die Angst machen“ immer wieder zurückgreift.

Vorgetragen werden die Lyrics übrigens von einem sehr kernigen Gesang, dessen Stimmbänder sich gut von der Musik tragen lassen. Zwischendurch hat man das Gefühl, der Sänger klinge etwas verschnupft, da sich einzelne Stellen nasal gesungen anhören. Aber selbst wenn dem so gewesen wäre, es zieht die Platte nicht runter. Vielmehr verleiht es Volver einen sympathischen Charakter, da es sich durchaus menschlich anhört, so wie der Rest des Sounds auch.

Es gibt allerdings ein kleines Detail, welches das Image eines emotionalen Albums ein klein wenig ankratzt. Und zwar ein technischer Fauxpas. Auf „Souvenir 1“ und „Souvenir 2“ hört man leicht das Rauschen der Gesangsspur über dem Klavier. Es reißt einen wirklich aus den Titeln raus, da man deutlich an diesem Rauschen hören kann, wann die Tonspur anfängt und endet. Dadurch fließen die Klänge nicht nahtlos ineinander über. Da es aber überwiegend laut auf „Zwischen Dingen, die Angst machen“ zugeht, ist dieser kleine Makel nicht weiter vorhanden bzw. nicht hörbar.

Alles in allem haben Volver hier solide Arbeit geleistet. Es ist kein Album, das vor Innovationen strotzt, aber dadurch, dass es von Beginn an ins Ohr geht. Und auch wenn die Texte, besonders gegen Ende, wirklich sehr kitschig und melodramatisch werden, wirken sie dennoch nicht unglaubwürdig. Die Band setzt weniger auf oberflächliche Texte, wie sie z.B. Unheilig verwendet und von denen sich viele Hörer blenden lassen, als auf eine Menge Substanz.

„Zwischen Dingen, die Angst machen“ bringt viele Emotionen auf ehrliche Art und Weise rüber. Der erdige Rocksound mit elektronischen Nuancen bildet hierbei ein stabiles Fundament, welches den Hörer genauso beeindruckt, wie es ihn unterbewusst bewegt.


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