takt-magazin

Endlich ist er draußen, der erste Longplayer der Erfurter Band „Volver“. Mit ihrem Album „Zwischen Dingen, die Angst machen“ legen die fünf Herren ein überzeugendes, schörkelloses Album hin.

Irgendwo in der weiten Welt des Indie angesiedelt, fallen beim ersten Hören die straffen Beats, die schnurrenden Gitarren und der weitgehend pathosfreie Deutschgesang ins Ohr. Mit Hingabe werden bei „Volver“ Intros inszeniert und kaum hat man geglaubt , den Song erkannt zu haben – schwupps, da kommt die nächste Wendung. Das soll so und das ist gut so. Da gibt es mal schön was auf die Mütze , so wie bei „Neues Leben“ oder der Zuhörer wird eingeladen sich in elegischen Elektrowabereien à la „Der letzte Regen“ zu verlieren. Das klingt unglaublich smart, schön reduziert und macht immer wieder Lust auf mehr.

„Über Dir“ hat das Zeug, live zur Hymne zu werden, bei der man einen Arm hochreckt und lässig mit dem Kopf nickt. Oder das fette „Wie Millionen Andere“ – hier wird immer wieder unerwartet Gas gegeben. Und das macht Spaß. Unbedingt reinhören!


DW, takt

Orkus!

Ein zauberhaftes Erstlingswerk Volver zeigen auf ihrem ersten Album, was uns bei diesem brandneuen Projekt erwartet: deutschsprachige, ruhige, poppigere Musik mit Tiefgang.

Nach einminütigem Intro startet die Reise mit Still, einer traumhaft eingängigen Nummer, welche Liebhaber von Zeraphine oder Staubkind glücklich machen dürfte. Sehr atmosphärisch ist der letzte Regen, da mit zarten Tönen beginnt und durch seinen stark berührenden Text fesselt und fasziniert. David Heideckes Gesang wirk anmutig und verführerisch; es bereitet ihm kaum Mühe, die volle Aufmerksamkeit des Hörers zu gewinnen. Volver sind zweifellos keine Band für Fans der schnelleren und härteren Schiene, sondern genau das Richtige für jeden, der sich mal tief fallen lassen und dabei sauberen, angenehmen sowie stimmigen Melodien lauschen will, die durch sanfte Gitakkrenklänge perfekt untermalt werden. Sehr schönes Debüt!


Christina Meyer, Orkus!

music-scan

Die Thüringer benötigten zunächst eine Anlaufphase, um den Sprung von seinem Projekt hin zu einer richtigen Band zu nehmen. Die ersten Aktivitäten datieren aus 2008, zwei Jahre später hatte VOLVER dann einen vollwertigen Gruppen-Status erreicht. Das Quintett aus Erfurt lässt und nimmt sich die Zeit, die es braucht, Entscheidungen und Songs reifen zu lassen. Der erste Longplayer zeugt davon. „Zwischen Dingen, die Angst machen“ beinhaltet zwölf Stücke, die zunächst unspektakulär anmuten, alsbald aber ein ausgeprägtes Ohrwurm- und Eingängigkeitspotenzial heraus stellen. Zu hören ist ein latent poppiger Indie-Rock, der durchweg breitentauglich und wohlklingend inszeniert wird. Die Texte aller Lieder sind deutschsprachig belassen und ebenso überraschend wie die bloße Musik von VOLVER. Anfangs meint man, tendenziell Allgemeinplätze zu hören, um wenig später zu bemerken, dass doch Substanz und Tiefe gegeben sind. Hat man erst einmal mitbekommen, wie der Hase läuft, erkennt man das selbstbewusste Spiel der Thüringer. Die Musiker sind mit sich, ihrer Band und ihren Songs im Reinen. Entsprechend natürlich und bauchgesteuert kommen die zwölf Tracks. Ohne elektronische Anreicherung geht es auch bei dieser Band nicht, doch die leicht zurückhaltende Aura des Materials leidet darunter nicht. Die Konzert-Tauglichkeit von „Zwischen Dingen, die Angst machen“ wird u. a. dadurch belegt, dass VOLVER ihr Debüt live eingespielt haben. Für die Erfurter dürfte das eine Selbstverständlichkeit sein.


music-scan

amusio

Mit Zwischen Dingen, die Angst machen (Timezone/Timezone Distribution, ab morgen) setzen sich Volver keineswegs neben sämtliche Stühle. Bereits dieser sprachlich arg bemühte Auftakt deutet an, dass sich die Erfurter nicht so schnell und im Vorbeigehen durchwinken lassen. Denn was sich zunächst als eine leidlich ernüchterte Angelegenheit unter dem Deckmäntelchen vornehmer Zurückhaltung geriert, entwickelt sich von Song zu Song zu einer ausdrucksstarken Mischung aus tragfähigen Songs und glaubwürdiger Intonation, die deutlich länger nachwirkt, als zunächst anzunehmen war.

Schon bei Still, spätestens bei Glut & Rausch, dem dritten Streich des Reigens, fällt der Groschen: Aufbau, Struktur und Duktus erinnern verdammt, pardon, in geradezu frappanter Weise an Zeraphine, jener Band um Sven Friedrich, die in Sachen „deutschsprachiger Darkwavepop mit melodramatischer Note“ seit Jahren eine unbestrittene Führungsposition bekleidet. Vermutlich keine gänzlich unwillkommene Feststellung, auch wenn sich Volver, zumindest dem äußeren Anschein nach, nicht unbedingt von jener Szene vereinnahmen lassen, in der ihre Auffassung von gefühlsecht beseelter Schmerzbewältigung womöglich am besten aufgehoben wäre.

Die indes kaum entscheidende Frage nach der stilistischen Verortung vorerst auf sich beruhen lassend, spricht für das Album vor allem der selbstbewusste Entschluss, es im Live-Verfahren eingespielt und anschließend dabei weitgehend auch belassen zu haben. Die derart zwangsläufig erzielte Direktheit lässt die erfreulich dünn gesät zu dünn geratenen Soundmomente nicht weiter zu Buche schlagen. Der letzte Regenzeigt in diesem Sinne exemplarisch auf, wie sich mit fröhlich brummenden Synthdruck vermeintliche Lücken beglückend füllen lassen.

in weiterer Pluspunkt ergeht nachdrücklich an die unprätentiös sachlich gehaltenen Texte. Was oberflächlich vernommen wie austauschbare Phrasendrescherei anmutet, erweist sich recht schnell als gleichermaßen unverbraucht und lakonisch überlegt, ja mehrdeutig ausformuliert. Hierzu passt der desillusionierte Unterton in Bert Billebs Stimme, die keine Anstalten macht, sich mit aufgesetzten Simulationen konfektionierter Gefühlsduselei zu exaltieren.

Zu allem Überfluss ist Zwischen Dingen, die Angst machen unaufdringlich einprägsam ausgefallen. Kaum ist der Hörer geneigt, einen gewissen Mangel an leicht zu memorierenden Ausbrechern zu monieren, schon diktiert die Einsicht das Urteil: Tatsächlich verfügt jeder Song über ein statthaft zureichendes Maß an Qualität, wobei die gewisse, durchaus auch als wohltuend zu empfindende Gleichförmigkeit tüchtig in den souveränen Gesamteindruck einzahlt, den dieses Debütalbum mit Sinn, Verstand und Gefühl hinterlässt. Bitte schnell auf Tour kommen!


amusio

Soundkartell

Gestern erschien mit ZWISCHEN DINGEN, DIE ANGST MACHEN das neue Studioalbum der deutschsprachigen Indie-Band VOLVER aus Erfurt. Das Soundkartell stellt Euch die Band mitsamt des Albums vor.

Um es gleich mal vorweg zu sagen: Über den Songs der Erfurter Band VOLVER schwebt immer eine gewisse Prise an Melancholie. Diese werden sie in ihren Songs des neuen Albums nicht los und auch die Tiefsinnigkeit, die sie in ihre Songs stecken, steht ihnen gut.
Wobei wir ehrlich zugeben müssen, dass wir den beigelegten Waschzettel (Pressetext) so ziemlich für nichtssagend halten.

Da hätte auch einfach ein: VOLVER bleiben VOLVER gereicht. Interessanterweise ist „volver“ das spanische Wort für „zurückkehren“. Vielleicht hätte eine solche Beschreibung gut getan. Dann hätten wir uns vor allem leichter getan. Lustigerweise könnte man da auf die Idee kommen, dass die Band einfach das Pons (Wörterbuch) aufgeschlagen hat und sich dachte: „Klingt cool, nehmen wir.“ Ist ja auch ein schöner Bandname, keine Frage.


Soundkartell

deepground

Das beste Albumcover ist immer noch das, welches der Betrachter/Hörer für sich selbst interpretieren muss. So auch der Rorschachtest, der die Platte „Zwischen Dingen, die Angst machen“ von Volver ziert.
Das Quintett aus Erfurt bewegt sich dem Titel gemäß zwischen Sehnsucht und Verzweiflung. Alles verpackt in bodenständigem deutschem Indie-Rock.

Auf „Zwischen Dingen, die Angst machen“ geht es in den zwölf Songs, entsprechend der genutzten Metaphern rund ums Meer, mal ruhig und mal stürmisch zu. Hauptsächlich aber produzieren Volver einen sehr greifbaren Sound. Durchgängige Strukturen ohne viele Ausschweifungen ziehen sich durch jeden Titel. Dabei wird abwechselnd in die Saiten und in die Tasten gehauen.

Ein gutes Beispiel hierfür ist der Song „Glut & Rausch“, der pulsierend seinen Anfang findet und im Refrain stark aufgefangen wird. Sofort fallen die Texte auf, die sich an einer Menge bildlicher Vergleiche und Wortspiele bedient. Die Aussagen sind im wahrsten Sinne des Wortes durchgehend bedeutungsschwanger. Das kann manchmal auch ein wenig zu viel für den Hörer sein, da man sich schwer tut, alles gedanklich zu ordnen. Aber ebenso kann es geneigte Gehörgänge geben, die genau so etwas bevorzugen.

„Neues Leben (Hinter dem Meer)“ ist unter anderem ein Song, in dem Volver ihre gängige Musik zunehmend auffrischen. Hier kommen elektronische Hilfsmittel wie Synthesizer zum Einsatz. Sehr erfreulich, dass die Band auf dieses Konzept im Verlauf von „Zwischen Dingen, die Angst machen“ immer wieder zurückgreift.

Vorgetragen werden die Lyrics übrigens von einem sehr kernigen Gesang, dessen Stimmbänder sich gut von der Musik tragen lassen. Zwischendurch hat man das Gefühl, der Sänger klinge etwas verschnupft, da sich einzelne Stellen nasal gesungen anhören. Aber selbst wenn dem so gewesen wäre, es zieht die Platte nicht runter. Vielmehr verleiht es Volver einen sympathischen Charakter, da es sich durchaus menschlich anhört, so wie der Rest des Sounds auch.

Es gibt allerdings ein kleines Detail, welches das Image eines emotionalen Albums ein klein wenig ankratzt. Und zwar ein technischer Fauxpas. Auf „Souvenir 1“ und „Souvenir 2“ hört man leicht das Rauschen der Gesangsspur über dem Klavier. Es reißt einen wirklich aus den Titeln raus, da man deutlich an diesem Rauschen hören kann, wann die Tonspur anfängt und endet. Dadurch fließen die Klänge nicht nahtlos ineinander über. Da es aber überwiegend laut auf „Zwischen Dingen, die Angst machen“ zugeht, ist dieser kleine Makel nicht weiter vorhanden bzw. nicht hörbar.

Alles in allem haben Volver hier solide Arbeit geleistet. Es ist kein Album, das vor Innovationen strotzt, aber dadurch, dass es von Beginn an ins Ohr geht. Und auch wenn die Texte, besonders gegen Ende, wirklich sehr kitschig und melodramatisch werden, wirken sie dennoch nicht unglaubwürdig. Die Band setzt weniger auf oberflächliche Texte, wie sie z.B. Unheilig verwendet und von denen sich viele Hörer blenden lassen, als auf eine Menge Substanz.

„Zwischen Dingen, die Angst machen“ bringt viele Emotionen auf ehrliche Art und Weise rüber. Der erdige Rocksound mit elektronischen Nuancen bildet hierbei ein stabiles Fundament, welches den Hörer genauso beeindruckt, wie es ihn unterbewusst bewegt.


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soundandbooks

In Erfurt beheimatet ist die Band Volver. Mit Zwischen Dingen, die Angst machen veröffentlichen Bert Billeb, David Heinecke, Marcus Johanning, Stefan Pfannmöller und Tom Pollheim ihren ersten gemeinsamen Longplayer. Angst muss man vor dem Album und der Musik von Volver nun wahrlich nicht haben. Im Gegenteil, nisten sich doch die elf Indie-Pop-Rock-Songs in Windeseile in den Ohrkanälen ein. Mit der kurzen Piano-Mini-Ouvertüre „Souvenir I“ beginnt die Platte, bevor in „Still“ Gitarren, Schlagzeug, und Bass den ersten fetten Indie-Rock-Kracher raushauen. Ein gar prächtiges Beispiel, wie man Melancholie in eine umwerfend schöne Pop-Hymne kleidet. „Es ist vorbei, lass es Stille regnen – deinetwegen“ heißt es traurig in diesem Lied, „und alles scheint verloren“ im anschließenden „Glut & Rausch“, einem noch hymnischeren, die Gitarren in den Vordergrund stellenden, überbordend euphorischen Song. Volver gönnen einem keine Ruhe, denn auch „Neues Leben (Hinter dem Meer)“ prescht munter vorwärts, doch trotz der Gitarrenlastigkeit herrscht eine sehnsüchtige Dark Wave-Stimmung über dem Stück. Erst mit „Der letzte Regen“ kehrt etwas Ruhe ein, die sich in „Über Dir“ fortsetzt, von lauten Alternative-Gitarren jedoch zeitweise unterbrochen wird. In „Morgenlicht“ und „Was du siehst“ wird die sehnsüchtige Traurigkeit von donnernden Gitarren in Szene gesetzt, während „Wie Millionen andere“ und „Weißes Licht“ die Laut-Leise-Wechsel perfektioniert und „Souvenir II“ das Album sanft zu seinem Ende bringt. Mit Zwischen Dingen, die Angst machen gelingt Volver ein straightes Indie-Rock-Pop-Album mit drei überragenden Anspielsongs („Still“, „Glut & Rausch“, „Neues Leben“) .


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Musikreviews

Deutschsprachiger „Independent“ die Wievielte? Was bringt uns VOLVERs Debüt abseits der schlimmen Extreme Kneipenrock mit Proll-Faktor und Hornbrillen-Klugscheißerei mit dilettantischem Handwerk im Hintergrund? Ganz einfach, leicht poppiges Material mit unauffälligen Texten und verhalten retrospektivem (die 1980er) Klangbild.

Löblich dabei lässt sich anmerken, dass VOLVER auf Anhieb keine Assoziationen wecken, also vertraut und dennoch schwer vergleichbar klingen. Jedenfalls kann es die Gruppe auch krachen lassen („Glut & Rausch“, „Morgenlicht“), aber an der allgemeinen Verträglichkeit ihrer Musik ändert das nichts. „Zwischen Dingen, die Angst machen“ könnte auch im Radio laufen – jeder Song – und mag sowohl der Generation unter 20 als auch gesetzteren Gemütern gefallen. Das universelle Post-Rock-Moment einiger Parts („Was du siehst“, unweigerlicher Albumhöhepunkt) passt da nur zu gut ins Bild.

Die Band zeichnet sich durch geschmackvolle Synthesizer zwischen Tradition und Moderne aus (nennen wir es zeitlos), die in vorwiegend treibenden Stücken eingesetzt werden. Textlich bemühen die Musiker wie nicht wenige andere aus ihrer Heimat die bekannte Freiheits-Motivik: Aufbruchsstimmung und so weiter. Logischerweise steht der warme Gesang nicht selten im Vordergrund („Über dir“, der Ohrwurm des Albums), ohne dass das Instrumentale im Trivialen versandet. Kurzum: Pop mit Anspruch, Deutschrock ohne Heckscheibenaufkleber.

FAZIT: VOLVERs Einstand ist eine Empfehlung für Freunde des wavigen Alternative wert. Vergleichspunkte? Schwer, wie gesagt, aber sagen wir irgendwas zwischen einer härteren Variante von LOCAS IN LOVE und weniger subtilen TOMTE?


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